Das wird die USA ruinieren!

In wenigen Tagen, am 21. März 2024, jährt sich zum 21. Mal der brutale, völkerrechtswidrige Angriffskrieg der von den USA angeführten Koalition der Willigen auf den Irak. Die Kriegsgründe Massenvernichtungswaffen und Verbindungen zu Al Qaida waren Erfindungen. Schon am 1. Kriegstag zerstörten US-Bomben auf Bagdad einen großen Teil der Infrastruktur (die sich bis heute nicht erholt hat), innerhalb  von 48 Stunden gingen 40 Marschflugkörper und 3000 satellitengesteuerte Bomben auf Bagdad nieder in der „Shock and Awe“ genannten militärischen Operation. Insgesamt forderte dieser Krieg wahrscheinlich eine Million Menschenleben und Millionen Flüchtlingsschicksale. Erinnern wir uns:

Der Grüne Außenminister Fischer trat am 22. März 2003 mit einem Statement vor die Presse:

Auf den Befehl von dem Herrn Präsidenten Bush sterben in diesen Minuten, in diesen Stunden seit 2 Tagen Menschen im Irak. Das ist ein Bruch, ein elementarer Bruch mit nicht nur dem Völkerrecht, sondern mit den Grundlagen der internationalen Zusammenarbeit und des menschlichen Zusammenlebens. Wir reagieren heute darauf mit einer ganz klaren Antwort: Das wird die USA ruinieren. Wir haben deshalb ein breites Paket aufgelegt an Wirtschaftssanktionen, an Finanzsanktionen, aber ebend gerade auch noch an klaren Sanktionen gegen diejenigen, die für diese furchtbaren Bilder, für diese Furchtbarkeit an den Menschen im Irak verantwortlich sind. Wir treffen das System Bush dort, wo es getroffen werden muss, ebend nicht nur wirtschaftlich und finanziell, sondern in seinem Machtkern.

Einen Tag später erklärte SPD-Kanzler Schröder in seiner berühmt gewordenen Zeitenwende-Rede:

Mit dem Überfall auf den Irak hat der amerikanische Präsident Bush kaltblütig einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen – aus einem einzigen Grund: Die Freiheit der Irakerinnen und Iraker stellt sein eigenes Unterdrückungsregime infrage (sic!). Das ist menschenverachtend. Das ist völkerrechtswidrig. Das ist durch nichts und niemanden zu rechtfertigen. Die schrecklichen Bilder aus Bagdad zeigen die ganze Skrupellosigkeit Bushs. Die himmelschreiende Ungerechtigkeit, der Schmerz der Irakerinnen und Iraker, sie gehen uns allen sehr nahe.

Die Solidarität mit dem durch diesen brutalen Angriffskrieg geschundenen Irakern in Deutschland war seinerzeit überwältigend. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude lud den US-Stardirigenten Lorin Maazel aus, der ab April mehrere Gastspiel-Verträge mit den Münchner Philharmonikern abgeschlossen hatte. Die große Deutschlandtournee von Jon Bon Jovi wurde abgesagt, die amerikanische Opernsängerin und Musikprofessorin in Würzburg, Cheryl Studer, wurde zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen, da sie nicht bereit war, sich von George Bush zu distanzieren.

Viele Bäckereien nahmen ihre Amerikaner aus dem Sortiment oder benannten sie in Iraker um. Nicht zuletzt führten Solidaritäts-Boykotts von McDonalds zu Zwangsschließungen von mehren dutzend Filialen der Fastfood-Kette.

Der Song American Idiot der Band Green Day führte 2004 viele Monate die deutschen Charts an. CNN und 20 weitere US-Propagandakanäle waren im Internet EU-weit nur noch über VPN zu erreichen.

Deutsche Hochschullehrer, die Gastprofessuren in den USA weiterhin unterhielten, wurden von ihren Universitäten gekündigt, sämtliche Amerikahäuser geschlossen, Amerikanistikseminare über John Updike u. Kollegen gecancelt zugunsten irakischer Autoren. Ein irakischer Schriftsteller erhielt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Der damaligen rot-grünen Koalition sind wir zu großem Dank verpflichtet, da sie ihre politisch-moralischen Standards ohne Ansehen des (befreundeten!) Täters konsequent umgesetzt hat.

Quellen:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-am-27-februar-2022-2008356

https://www.youtube.com/watch?v=r2Vskc9XxmY

1 Antwort to “Das wird die USA ruinieren!”

  1. Wendelin sagt:

    Der Krieg gegen den Irak war zweifellos ein schwerer Fehler Amerikanischer Außenpolitik. Darin sind sich alle westlichen Länder -einschließlich der USA- einig. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann: wie kann man einerseits gegen US-Imperialismus sein, jedoch in Anbetracht brutaler Russischer Invasionen und Niederwerfungen stumm bleiben und eine Whataboutismus Diskussion beginnen. Das Morden für Russische Großmannsucht will einfach nicht aufhören. Hier im Westen gibt es Menschen, die sich für fortschrittlich und anti-imperialistisch halten, während sie der überfallenen Ukraine nicht nur die Solidarität verweigern, sondern sie als Sprachrohr des Kremls auch noch diffamieren.
    Schwer zu begreifen für mich.

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