God’s Own Banana Republic

Die Art und Weise, wie sich die USA derzeit präsentieren, ist von einer nie dagewesenen, erschreckenden Erbärmlichkeit.

Es bietet sich das Bild einer durch und durch fauligen, korrupten „Elite“; eines in sich zerstrittenen, antidemokratischen „Deep state“, der spätestens seit Allen Dulles die Geschicke des Landes lenkt; einer Wirtschaft, die ohne Kriege (und damit einer intensiven Feindbildpflege) sofort kollabieren würde; eines neu gewählten tölpelhaften Kindskopf-Präsidenten, dumm wie das Stroh auf seinem Haupt; einer kriegslüsternen, psychopathischen Präsidentschaftskandidatin, die sich mit ihrer selbstverschuldeten Niederlage nicht abfinden will; einer total gespaltenen Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wo rechts und links ist; einer Massenpsychose bezüglich Russland, von der ein McCarthy nur träumen konnte und einer (Mainstream-)Presse, die all das nach Kräften befeuert.

Trumps brandgefährliche, verlogene und aggressive Außenpolitik, die seinen Wahlaussagen diametral entgegensteht, wird demnächst thematisiert. An dieser Stelle soll es – aus aktuellem Anlass – um die wahnwitzige, hysterisierende Anti-Russland-Kampagne gehen, die die Demokraten seit Monaten fahren. Russia hacking the election, Russians meddling in the election, Russian collusion. Russia Russia Russia.

Ja, Putin hat sich ein bis zweimal wohlwollend über Trump geäußert, warum auch nicht, nachdem sich Hillary Clinton eindeutig kaltkriegerisch positioniert und ihn als „Hitler“ bezeichnet hat. Obama hat sich heftigst in den Brexit-Wahlkampf eingemischt und jüngst in einer Adresse an das französische Volk die Wahl Macrons empfohlen. Auch Herr Schäuble äußerte sich: „Wenn ich Franzose wäre, würde ich Macron wählen.“ Kein Problem hier. Wer im US-Wahlkampf den russischen „Propaganda-Sender“ RT verfolgt hat, konnte hingegen feststellen, dass man dort– solange er zur Wahl stand – eindeutig auf Sanders‘ Seite war. Thom Hartmanns tägliche Sendung „The Big Picture“ verwandelte sich in eine Dauer-Wahlwerbesendung für Bernie, später kämpfte Hartmann dezidiert gegen Trump.

Keine Hacks, sondern Insider-Leaks

Soweit wir heute wissen, bezieht sich der Vorwurf der Einmischung ausschließlich auf angebliches Hacking der Demokratischen Parteizentrale (Democratic National Committee, DNC) – und der Podesta-Mails sowie deren Weitergabe an Wikileaks, angeordnet durch höchste russische Stellen. Der DNC-Server wurde niemals von neutraler Stelle inspiziert. Experten von Julian Assange über William Benney, dem Architekten der NSA-Abhörtechnik bis zu ungezählten Ex-Geheimdienstlern gehen eindeutig von einem Insider-Leak aus. John McAfee sagt: wenn auf dem Server russische Spuren gefunden wurden, kann man davon ausgehen, dass es die Russen nicht waren. Wir haben sogar die Aussage des Wikileaks nahestehenden ehemaligen britischen Diplomaten Craig Murray, der schildert, wie ihm die Daten von einem DNC-Insider übergeben wurden. Aber selbst wenn es die Russen gewesen sein sollten: die Mails sind authentisch. Sie offenbaren, dass Bernie Sanders durch Manipulation und Betrug um seine Kandidatur gebracht wurde, die uns – nach allen Umfragen – Mr. Trump erspart hätte. Wer mag bezweifeln, dass das amerikanische Volk Anspruch darauf hat, zu erfahren, wie Clinton sich an die Macht schwindeln wollte?

Julian Assange, der mit Sicherheit seinen Zuträger kennt, hält sich strikt an die selbst auferlegte Regel, Stillschweigen über Leaker zu bewahren. Er hat jedoch im Lauf der letzten Monate den Fall Seth Rich immer wieder – mitunter recht unvermittelt – ins Gespräch gebracht. Als würde er in die Welt hinausrufen: „Versteht Ihr nicht, was ich Euch sagen will, aber nicht darf?“

Dieser ganze – wie die US-Alternativ-Medien gerne sagen – Russia Bullshit könnte sich diese Woche in Luft auflösen. Es könnte die Demokratische Partei, die sie unterstützenden Medien und womöglich die ganze Nation in allergrößte Schwierigkeiten bringen. Ein Kriminalfall spielt hier eine entscheidende Rolle.

Rückblende: Cold Case Seth Rich

Am 10. Juli 2016, um 4:15 Uhr, wurde der 27jährige IT-Mitarbeiter des DNC Seth Rich in Washington D.C. auf dem Weg von einer Kneipe nach Hause zweimal in den Rücken geschossen. Er verstarb kurz darauf in einem Krankenhaus. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Offiziell geht man erstaunlicherweise nicht von einem Mord, sondern einem fehlgeschlagenen Raubüberfall aus, obwohl weder Handy, Kreditkarte, Geld noch die wertvolle Uhr mitgenommen wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der/die Täter von Nachbarn gestört wurde(n) ist gering, da diese wohl die Polizei gerufen hätten. Die Polizei wurde jedoch nicht über Notruf alarmiert, sondern über einen Schüsse registrierenden Sensor (gunfire locator).

Das FBI hat kurz darauf Richs Laptop konfisziert, dessen Verbleib bislang unbekannt ist, das gleiche gilt für die Körperkameras der Polizisten am Tatort. Die Aufnahmen zu kennen wäre insofern interessant, als Seth Rich bei Bewusstsein und durchaus in der Lage war, Aussagen über den Hergang zu machen.

Nicht etwa Richs Arbeitgeber, die Demokratische Partei, sondern Julian Assange hat kurz nach diesem Mordfall eine Belohnung von $ 20.000 für Hinweise zur Ergreifung des Täters ausgelobt. Warum wohl? Seitdem jedenfalls schwebt der Verdacht im Raum, dass Seth Rich die E-Mails des DNC weitergegeben haben könnte.

Aktuelle Entwicklung

Letzte Woche meldete sich ein für die Rich-Familie ermittelnder Privatdetektiv mit der Aussage zu Wort, dass eine FBI-Quelle ihm mitgeteilt hätte, Rich hätte Kontakt zu Wikileaks gehabt. Außerdem hätte die Polizei die Anweisung, still zu halten (stand down). Dies wurde vom Sprecher der Familie als – was sonst? – Verschwörungstheorie zurückgewiesen. Und überhaupt: sollte tatsächlich ein Kontakt zu Wikileaks aufgedeckt werden, beweise das noch gar nichts. Dieser Sprecher ist ein PR-Mann des DNC, ein Krisenmanager, der augenscheinlich der Familie Rich von der Partei „beigestellt“ wurde, um das Russland-Hacking-Narrativ zu schützen.

Nun hat vor zwei Tagen der in Neuseeland lebende berühmte Ex-Hacker und Cyber-Guru Kim Dotcom via Twitter mitgeteilt, dass er Seth Rich gekannt hat und beweisen kann, dass dieser der DNC-Leaker sei. Nach Beratung mit seinen Anwälten, wolle er aussagen – man kann gespannt sein.

Der Nachweis eines internen Leaks wäre ein Tornado, der Hillary Clinton von der politischen Bühne fegen würde. Kurzfristig könnte er Trump helfen, da er vom Vorwurf einer Zusammenarbeit mit Russland freigesprochen würde. Mittel- und langfristig hätten jedoch die Trump-Kritiker endlich freie Bahn, sich seiner Politik zu widmen, ohne ihn permanent gegen den völlig abwegigen Verdacht verteidigen zu müssen, mit Hilfe von Russland Präsident geworden zu sein.

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