Der Fall Seth Rich und der mögliche Fall von Sean Hannity

„Nun hat vor zwei Tagen der in Neuseeland lebende berühmte Ex-Hacker und Cyber-Guru Kim Dotcom via Twitter mitgeteilt, dass er Seth Rich gekannt hat und beweisen kann, dass dieser der DNC-Leaker sei. Nach Beratung mit seinen Anwälten, wolle er aussagen – man kann gespannt sein.“

Diesen Cliffhanger vom letzten Beitrag konnte Kim Dotcom leider nicht auflösen. Stattdessen bot er dem jüngst zur Aufklärung von „Russiagate“ eingesetzten Sonderermittler Robert Mueller eine eidliche Aussage in den USA an, gegen freies Geleit, da er dort wegen Urheberrechtsdelikten verhaftet werden könnte. Warum in Zeiten von Skype eine Reise in die USA notwendig sein sollte, bleibt sein Geheimnis. Im Übrigen: Ein Nachweis, dass es sich beim DNC nicht um russische Hacks, sondern Insider-Leaks handelt, würde die gesamte D.C.-Elite aufmischen und in Gefahr bringen. Ein Interesse an Dotcoms Aussagen dürfte also eher gering sein; auf jeden Fall zu gering, um Bedingungen stellen zu können.

Der von Richs Eltern (die ja von einem DNC-Krisenmanager betreut / abgeschottet werden) eingesetzte Detektiv Rod Wheeler hat mit diesen einen im wahrsten Sinne des Wortes Knebelvertrag geschlossen – er darf sich ohne Rücksprache nicht zu den ermittelten Ergebnissen öffentlich äußern. Entsprechend unergiebig fielen die Interviews aus, die er jüngst gegeben hat, z.B. hier.

Einer Klage auf Herausgabe des Autopsie-Berichts im Rahmen des Freedom of Information Act (FOIA) wurde nicht stattgegeben. Eine interessante Entscheidung angesichts der Tatsache, dass die Behörden Seth Rich offiziell als zufälliges Opfer eines versuchten Raubs behandeln. Detektiv Wheeler durfte die Filme der Körperkameras und der zahlreichen Kameras rund um den Tatort nicht einsehen: Vertuschung auf der ganzen Linie. Beihilfe hierzu leisten die US-Mainstreammedien, mit einer Ausnahme: Fox. Moderator Sean Hannity nahm sich das Recht heraus, sich des Falls in seiner Show anzunehmen mit der Folge, dass Firmen mit einem Werbeboykott drohten, und – angeblich – die Familie Rich intervenierte. Nach einem (erzwungenen?) Urlaub gab Hannity das folgende Statement ab:

Es bleibt abzuwarten, ob Hannity für eine Folge-Berichterstattung über den Fall Rich Rückhalt vom Sender bekommt.

Die Art und Weise, wie Staat und Medien mit diesem ungeklärten Mordfall umgehen – Motto: „Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen“ – hat vor allem dies zur Folge: Vermehrte Leaks, Schwarmermittlungen im Internet (crowd research), hybrider Journalismus. Spannend, aber nicht ganz ungefährlich. Davon mehr in Kürze.

1 Antwort to “Der Fall Seth Rich und der mögliche Fall von Sean Hannity”

  1. Marilyn sagt:

    Da es in den Augen unserer deutschen öffentlich-rechtlichen Medien sowieso russische Hacks waren, sehen sie auch keinen Grund, über diese spannenden und unfassbaren Vorgänge zu berichten.
    Danke für die Recherche und die interessanten Gedankengänge, Pique Dame.

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