Julian Assange muss jetzt reden!

In Zeiten von zunehmender globaler Kapital-,  Macht- und Medienkonzentration auf eine sehr überschaubare Gruppe von Akteuren, auf deren Agenda man Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, Frieden und Bürgerwohl vergeblich sucht, ist eine ebenfalls global agierende Institution wie Wikileaks für die Demokratie -„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ – lebenswichtig. Die Massenmedien haben ihre Rolle als Kontrolleure der Staatsgewalt weitgehend abgegeben. Plattformen wie Wikileaks springen ein, veröffentlichen von Whistleblowern hochgeladene Daten, die das Übertreten von Gesetzen derer bloßstellen, die glauben, sie stünden über diesen.

Wikileaks prüft gewissenhaft das zur Verfügung gestellte Material, alle bisherigen Veröffentlichungen erwiesen sich als authentisch. Und Wikileaks garantiert Whistleblowern den Schutz ihrer Identität.

Julian Assange und sein Team laden sich mit ihrer Arbeit einen Berg von Verantwortung auf, sowohl gegenüber dem Whistleblower als auch der Gesellschaft. Was sich jedoch infolge der Veröffentlichung der Dateien vom Server des Democratic National Committee (DNC) mittlerweile mit einer erschreckenden Dynamik entwickelt hat, war nicht vorhersehbar. Assange befindet sich in der Lage eines Notstands, in dem er abzuwägen hat, ob er die indirekte Verantwortung für einen kalten Krieg zwischen Russland und USA übernehmen kann (nicht mehr und nicht weniger!) oder – wenn es nicht anders geht – die Verantwortung für den Schutz seiner Quelle an jemand anderen übertragen muss.

Viel spricht dafür, dass der vor einem Jahr ermordete Seth Rich zumindest einer der DNC-Leaker war: die von Assange ausgelobte Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter ist ein bärenstarkes Indiz hierfür. Träfe dies zu, wäre Assanges Gewissenskonflikt bezüglich des Identitätschutzes keiner mehr. Ähnlich wie es beim Tod eines Patienten Ausnahmen der ärztlichen Schweigepflicht gibt, könnte Assange angesichts der enormen politischen Folgen der Veröffentlichung Seth Rich als Leaker benennen.

Wenn der Leaker lebt, müsste er in ein Zeugenschutzschutzprogramm aufgenommen werden. Wer weiß, ob derartiges vorgestern beim dreistündigen Besuch des republikanischen Kongressabgeordneten Dana Rohrabacher bei Julian Assange in London besprochen wurde.

Wie auf diesem Blog mehrfach dargelegt, ist Russiagate eine von der Clinton-Entourage in die Welt gesetzte, völlig abwegige Verschwörungstheorie, die durch nichts bewiesen ist, aber im Mainstream ungeprüft und papageienhaft nachgeplappert wird. Aus 17 überzeugten US-Geheimdiensten wurden drei, von denen einige wenige „handpicked“ Leute glauben, dass Russland durch die Hacks Trump zum Sieg verhelfen wollte. Der Server des DNC wurde nie von offizieller Seite untersucht. Assange beteuerte ungezählte Male, dass die Russen nichts mit dem Leak zu tun haben.

Hinzukommt, wie auch Ray McGovern berichtet, dass IT-Experten nunmehr die Metadaten des E-Mail-Downloads untersucht haben. Es stellte sich heraus, dass die hohe Geschwindigkeit, mit der die Daten heruntergeladen wurden, nur lokal möglich ist, niemals durch einen Hack von außen. Im Übrigen fand die Aktion laut timestamp an der Ostküste der USA statt.

Vor drei Wochen beschloss der Kongress weitere Sanktionen gegen Russland als „Strafe für die Einmischung in die US-Wahlen“. Gemeint ist natürlich das angebliche Hacking in den DNC-Server. Da die Medien lieber dieser Propagandalüge anhängen als über die zahlreichen Gegenbeweise zu berichten und öffentlichen Druck zu erzeugen, muss Julian Assange sich nun durchringen und handeln, um eine weitere Eskalation des Kalten Kriegs zu verhindern.

Julian, please speak out!

 

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